Veröffentlicht in Kinderbücher, Rezensionen

Ein unheimliches Wesen lernt das Fürchten

Dieses Buch gehört einfach in jedes Kinderzimmer: Der Grüffelo von Julia Donaldson und Axel Scheffler. Es wird auch schon in vielen gelesen und fällt vermutlich bereits unter die Rubrik „Kinderbuchklassiker“. Schadet aber nichts, das unheimliche Wesen, das dank einer kleinen Maus das Fürchten lernt, noch ein bisschen mehr anzupreisen.
Wie? Ihr kennt den Grüffelo nicht? Dann beschreibe ich ihn Euch.

Wer ist dieses Wesen mit schrecklichen Klauen und schrecklichen Zähnen, um Tiere zu kauen? Mit knotigen Knien, einer grässlichen Tatze und vorn im Gesicht einer giftigen Warze, mit feurigen Augen, einer Zunge sooo lang und Stacheln am Rücken – da wird’s einem bang?

Ja, das ist der Grüffelo. Das Duo Donaldson/Scheffler hat eine fabelhafte Geschichte von einer cleveren Maus erfunden. Die Maus hält sich mit dem Fabelwesen Grüffelo die hungrigen Raubtiere des Waldes vom Leib. Und sie vollbringt das Kunststück, eben auch den Grüffelo davon zu überzeugen, dass er sich lieber einen anderen Leckerbissen suchen sollte.

Bereits vor zwanzig Jahren erfanden die britische Autorin und der von Hamburg nach England ausgewanderte Illustrator den furchteinflößenden Grüffelo. Er bescherte ihnen den Nestlé Smarties Book Prize, der seit 2008 nicht mehr vergeben wird.  Im Gegensatz dazu gibt es den Grüffelo immer noch. Zu Recht.

Alles begann 1992

Ihr erstes gemeinsames Buch gaben Julia Donaldson und Axel Scheffler übrigens bereits 1992 heraus: A Squash and a Squeeze. Und sie haben noch einige andere tolle Kinderbücher geschrieben und gezeichnet. Oft genug kann ich in der Buchhandlung nicht widerstehen, wenn ich eines von Donaldson/Scheffler entdecke, das noch nicht in unserem Bücherregal steht.

Was macht den Grüffelo so besonders? Keine Frage, erst einmal die wunderbaren Zeichnungen, dann die Geschichte selbst. Die kleine Maus, die Fuchs, Eule, Schlange und Grüffelo dazu bringt, sie eben nicht zu fressen. Der Grüffelo ist eine wunderbare Geschichte darüber, dass Größe und Stärke nicht alles sind. Die kleine Maus befreit sich allein dank ihres hellen Köpfchens aus einer brenzligen Situation.

Meine beiden Jungs lieben die Geschichte. Der Große hört sie immer noch gern, obwohl er sie inzwischen fast auswendig selbst erzählen könnte. Der Lütte hat sie gerade erst richtig entdeckt und freut sich noch jedes Mal ein Loch in den Bauch, wenn der Grüffelo endlich auftaucht. Die Geschichte eignet sich richtig gut, um beim Vorlesen mit der Stimme zu arbeiten – die Schlange zischen oder die Eule heulen lassen, sondern auch um Geräusche einzubauen. Die Maus tippelt über den Kinderarm, die Schlange schlängelt sich hinauf und der Grüffelo stampft schweren Schrittes hinterher.

Tolle Verfilmung

Genauso wie das Buch lieben die beiden auch den Film. In dem Fall bin ich auch ganz bei ihnen: Die Filmemacher haben das Buch ausgesprochen liebevoll umgesetzt, mit unglaublich schönen, fantasievollen Bildern und einem beeindruckenden Cast. Um die Geschichte auf eine halbe Stunde zu strecken, haben die Filmemacher von BBC und ZDF sie ein bisschen angereichert. Zum Beispiel mit einer Rahmenhandlung um Mama Eichhörnchen und ihre Kinder.  Die Eichhörnchenmutter ist es auch, die den Kindern – ihren und den zuschauenden – die Geschichte vom Grüffelo erzählt. Heike Makatsch war eine perfekte Wahl. Ich mag einfach ihre Stimme, sie ist angenehm und unverwechselbar. Zur Besetzung gehören unter anderem noch Christian Ulmen (Maus), Wolfgang Hess (Grüffelo) und Otto Sander (Eule). Für einen so kleinen Film ist das eine sehr namhafte Besetzung.

Übrigens gibt’s eine Fortsetzung: Das Grüffelokind. In Teil zwei schläft der Grüffelo tief und fest in seiner Höhle, während sein Spross stiften geht – ausgerechnet in einer bitterkalten Winternacht. Er sucht im Schneesturm die große, böse Maus. Wenngleich meine Jungs grundsätzlich den ersten Teil bevorzugen, kann diese Fortsetzung im Gegensatz zu vielen anderen mit dem ersten Band mithalten. Julia Donaldson hat sich einen genialen Clou ausgedacht, wie die große, böse Maus ihrer kleinen Artgenossin zu Hilfe eilt. Natürlich hat Axel Scheffler auch diesen Band auf seine unverkennbare Art illustriert.

Julia Donaldson/Axel Scheffler, Der Grüffelo, Beltz GmbH,
ISBN 9783407792914

Julia Donaldson/Axel Scheffler, Das Grüffelokind, Beltz GmbH,
ISBN 9783407793621

Autor:

Bücherwurm, Schreiberling, Handballerin

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